„Lernen Sie Ihre Tiere kennen!“
Prächtige Farben, spannende Formen - Aquarientiere werden oft wegen ihrer optischen Reize gehalten. Genau diese Vielfalt würde so mancher Aquarienbesitzer dabei gerne auch für die Ewigkeit auf Fotos bannen. Aber das Fotografieren von Fischen, Garnelen und Co. birgt seine ganz eigenen Tücken. Darum haben wir den Tierfotografen Peter Uhl* gebeten, uns ein paar Tricks zu verraten.
© Fotoschule des Sehens
Herr Uhl, warum ist es so schwer, schöne Fotos von den eigenen Fischen zu machen?

Grundsätzlich gibt es drei Schwierigkeiten: Erstens, die Aquarienbewohner werden oft unscharf. Dann stören oft Reflexionen das Foto und nicht zuletzt entsprechen die Farben auf dem Bild oft nicht dem, was man eigentlich im Aquarium sieht. Diese Probleme kann man oft umgehen, indem man einen Blitz verwendet – allerdings sollte es ein entfesselter Blitz sein.

Was ist das?
Das heißt, dass Sie den Blitz nicht fest auf der Kamera montiert haben, sondern losgelöst von ihr einsetzen können. Ein Funksensor sorgt dann dafür, dass der Blitz zeitgleich mit dem Fotografieren auslöst. So haben Sie viel mehr Möglichkeit für die Lichtsteuerung. Sie können zum Beispiel das Licht von oben oder von der Seite kommen lassen. Ist Ihr Blitz stattdessen oben auf der Kamera fest installiert, kann das zu unschönen Reflexionen auf Ihrem Bild führen. Für ein schönes Foto ist die Technik allerdings nur eine Komponente, genauso wichtig ist es, dass Sie Ihre Tiere vorab und während des Fotografierens beobachten.
Bevor ich zur Kamera greife, schaue ich also erst mal nur zu?
Genau! Lernen Sie Ihre Tiere kennen! So erfahren Sie zum Beispiel, welche Routen Ihre Fische schwimmen. Oder nehmen Sie einen Buntbarsch, der anfängt Kies in den Mund zu nehmen und ihn wieder ausspuckt. Oft macht er diese Bewegung mehrmals hintereinander – und schon haben Sie Ihr schönes Fotomotiv. Viele unterschätzen, wie wichtig das ist. Das ist der Vorteil, wenn man eigene Tiere hat, die kann man sehr gut fotografieren, weil man sie und ihre Verhaltensweisen kennt.
Sollte meine Kamera denn bestimmte Anforderungen erfüllen?
Eine Spiegelreflexkamera eignet sich sehr gut, da sie zum Beispiel eine sehr kurze Auslöseverzögerung hat. Die Kamera sollte außerdem einen kontinuierlichen Fokus haben, das heißt, sie stellt die Schärfe nach, auch wenn sich der Fisch bewegt. Nicht so gut geeignet sind dagegen oft ältere Bridge-Kameras, also Zwitter aus Spiegelreflex- und Kompaktkameras. Hier löst oft der Blitz zu spät aus und Ihr Motiv ist schon weitergeschwommen, bevor Sie Ihr Bild im fotografiert haben.
Brauche ich ein Stativ?
Wenn Sie bei sich daheim fotografieren und entfesselt blitzen können, eher nicht. Dann haben Sie genügend Licht zur Verfügung und die Aquarienbewohner werden durch die kurze Abbrenndauer des Blitzes scharf „eingefroren“. Außerdem können Sie ohne Stativ beweglicher und können besser und schneller auf Bewegungen reagieren. Allerdings ist es wichtig, dass Sie die Kamera immer parallel zur Scheibe halten.
Warum?

Weil es sonst aufgrund der Glasscheibe zu Verzerrungen und Problemen mit der Schärfe kommen kann – dabei gilt, je dicker die Glasscheibe, desto stärker der Effekt.

Was kann ich tun, damit es nicht spiegelt?
Zum einen: Gehen Sie mit der Kamera möglichst nah und parallel zur Scheibe an Ihr Aquarium ran. Dunkle Kleidung oder ein abgedunkelter Hintergrund sind oft hilfreich – oder Sie warten mit dem Fotografieren ab, bis es draußen dunkel ist. Dann ist nur das Aquarium beleuchtet und Sie haben weniger Probleme mit Spiegelungen. Manchmal kann es aber sein, dass es trotzdem noch spiegelt. Diese Reflexion kann dann von einer der Seitenscheiben kommen. Diese Art der Reflexion lässt sich leider nicht vermeiden – setzen Sie am besten an einer anderen Stelle des Wasserbeckens nochmal neu an.
Gibt es Tiere, die sich besonders zum Üben eignen?
Klar – alle, die keine hektischen Schwimmer sind und einem mehr Zeit geben, sich auf das Bild einzustellen. Einige Welsarten liegen oft lange auf einem Stein oder einer Wurzel und man kann sie dann sehr gut fotografieren. Geduld sollte man trotzdem immer mitbringen, wenn es um das Fotografieren von Aquarienbewohnern geht.
© Fotoschule des Sehens
Weil es nicht immer auf Anhieb klappt.
Ja – wichtig ist, dass Sie Spaß und Freude am Fotografieren haben. Setzen Sie sich dabei keine Grenzen. Ein „Herzensfoto“ muss nicht 100 Prozent perfekt sein. Wenn Sie etwas daran schön finden oder vielleicht auch ein bestimmtes Gefühl damit verbinden, ist das auch ein gutes Foto, obwohl es vielleicht unscharf ist oder die Belichtung nicht passt!
Haben Sie ein Lieblingsmotiv?
Meine Frau hat in einem öffentlichen Aquarium in einem Salzwasserbecken mal Seepferdchen fotografiert. Das klammert sich mit seinem Schwanz an einem Ast fest und tanzte die ganze Zeit hin und her – es war sehr schwierig das Seepferdchen scharf abzulichten. Aber es war ein sehr spannendes Motiv und als die Aufnahme gelang, war das toll.


*Peter Uhl und seine Frau Martina Walther-Uhl betreiben in Isernhagen die „Fotoschule des Sehens“.  In ihren europaweiten Fotoseminaren und Workshops lernen Hobbyfotografen, wie sie unter anderem Aquarientiere gut in Szene setzen – egal ob im heimischen Aquarium oder großen Meeresaquarien. Mehr Infos dazu unter:
http://www.fotoschule-des-sehens.de/aquarium.php





Tetra sagt: Vielen Dank für das tolle Interview und dass wir einige der sehr gelungenen Aufnahmen hier verwenden dürfen! Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg beim Fotografieren!