Geschäftige Guppys
Kein Guppymännchen gleicht dem anderen: Sie alle tragen verschiedenfarbige Schwänze, die sie zu einem echten Hingucker in jedem Aquarium machen. Richtig spannend wird es aber vor allem, wenn es um ihre Fortpflanzung geht.
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Schon die Balz, also das Werben der Männchen um die unscheinbareren Weibchen ist bei Guppys (Poecilia reticulata) eine richtige Schau: Da wird mit farbenfrohen Schwänzen gefächert und getänzelt, bis eine Fischdame sich willig zeigt. Einen Korb akzeptieren die Männchen dabei nicht unbedingt. In freier Wildbahn halten sich die unauffällig gefärbten Weibchen deswegen oft in Bereichen auf, die eher von Fressfeinden frequentiert werden – das hält die Verehrer auf Distanz, weil sie mit ihren bunten Farben leichte Beute sind.
Lauter Minifische im Aquarium
Im Aquarium werden Guppys deswegen immer in Gruppen gehalten, in denen die Weibchen deutlich in der Überzahl sind. Signalisiert ein Weibchen seine Paarungsbereitschaft, schwimmt das Männchen ganz nah an sie heran und leitet über eine kleine verdickte Rinne in der Afterflosse sein Sperma direkt in die Geschlechtsöffnung des Weibchens. Innere Befruchtung wird dies genannt und führt zu einer spannenden Besonderheit der Guppys: Sie gehören zu den Lebendgebärenden. Wie der Name schon verrät, legen die Guppyweibchen keine Eier, sondern bringen lebende Fische zur Welt.
Faszination für Groß und Klein
Dieses Wunder des Lebens mit beobachten zu können, fasziniert kleine und große Aquarianer. Sicherlich ist auch das mit ein Grund, warum die Aquaristik dem Guppy viel zu verdanken hat: Es ist sehr spannend die kleinen Fische groß werden zu sehen und die Umfärbung der Tiere zu beobachten.

Bei unzähligen Menschen legten die drei bis fünf Zentimeter großen Fische so den Grundstein zur Faszination für Aquarien. Die quirligen Fische sind zudem nicht sehr schüchtern und recht unkompliziert in der Haltung. Allerdings sollte man sich überlegen, was man mit dem Nachwuchs anstellen möchte. Guppys sind sie sehr fleißig mit der Fortpflanzung – bis zu 100 Nachkommen kann ein Weibchen gebären.
Mückenlarven-Jäger

In Gesellschaftsbecken löst sich das Problem oft von selbst. Auch wenn es hart klingt: Andere Fische verleiben sich den einen oder anderen jungen Guppy manchmal als Mahlzeit ein. Wer dies verhindern möchte, sollte für dichten Bewuchs sorgen oder die Jungtiere separieren. Auch in freier Wildbahn in ihrer mittel- oder südamerikanischen Heimat verstecken sich die kleinen Fische gerne im dichten Bewuchs der Uferböschungen. Dort gehen die Allesfresser unter anderem auch auf die Jagd nach Mückenlarven.

Dank dieses nützlichen Aspektes und ihrem geringen Anspruch an ihren Lebensraum wurden sie in manchen tropischen Ländern gezielt eingesetzt um die Mückenpopulation zu dezimieren. Sie werden aber auch immer wieder in Gewässer ausgesetzt, in denen sie eigentlich nicht heimisch sind. Guppys zählen deswegen vielerorts zu den sogenannten Neozoen. Das sind fremde Arten, die sich aber in neuer Umgebung etabliert haben. In Deutschland und Österreich ist dies auch der Fall – allerdings nur in Gewässern, die den Wärmeansprüchen der Tiere gerecht werden, etwa in Thermalquellen oder in der Nähe von Kraftwerken.
AUTOR: Tetra GmbH
ERSTELLT AM: 04.07.2016
QUELLE: Harro Hieronimus: Guppy, Platy, Molly – farbenprächtige Lebendgebärende; GU Verlag 2005