Blauer Floridakrebs: Krebstier mit Charakter
Im östlichen Florida schreiten unauffällige braune Flusskrebse über den Grund des träge dahin fließenden St. Johns River. Dieser Wildform des Blauen Floridakrebses (Procambarus alleni) sieht man nicht unbedingt an, warum das Tier so viele Aquarianer begeistert. Aber es gibt auch eine leuchtend blaue Farbvariante: Dieses Zuchtprodukt ist ein wunderschöner Blickfang und relativ leicht in der Haltung – allerdings nur im Süßwasser-Aquarium.
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Beim Essen nicht wählerisch
Denn der Blaue Floridakrebs ist ein reiner Süßwasserbewohner, auch wenn seine Erscheinung Laien an einen kleinen Hummer erinnert: Der langgestreckte Hinterleib, die vier Laufbeinpaare und vor allem die zwei großen Greifscheren. Mit den vorderen Beinen und Scheren stopft sich das Krebstier den einen oder anderen Leckerbissen zwischen die Mundwerkzeuge. Dazu gehören zum Beispiel zarte Wasserpflanzen, totes Laub oder Aas. Im Aquarium schnabuliert der Floridakrebs auch gerne Erbsen, Karotten- oder Salatgurkenscheibchen.

Wenn er einen erwischt, verschmäht er allerdings auch kleine Fische nicht. Deshalb sind diese Krebse nicht wirklich als Gesellschaft für Fische geeignet.

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Wehrhafter Einzelgänger
Wie viele Krebsarten sind auch Blaue Floridakrebse Einzelgänger. Die Tiere haben Reviere mit Wohnhöhle, die sie gegen Eindringlinge rigoros verteidigen. Wer mehrere Tiere in einem Aquarium halten möchte, braucht auf jeden Fall genügend Platz und muss verschiedene Schlafhöhlen, beziehungsweise Versteckmöglichkeiten anbieten, damit es nicht zu Streitigkeiten kommt.

Fühlt sich der Blaue Floridakrebs bedroht, wendet er sich mit seinen wehrhaften Scheren der Gefahr zu, bereit sich zu verteidigen. Schätzt er seine Lage schlecht ein, versucht er, sich mit einem raschen Einklappen des Hinterleibes rückwärts aus der Gefahrenzone zu bringen.
Sinneswelt der Krebse
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Sinneswelt der Krebse
Weil die Tiere tagaktiv sind, kann man sie und ihr Verhalten im Aquarium gut beobachten. Dabei ist es spannend zu wissen, dass die Anatomie der Krebse einige Besonderheiten aufweist. Gut zu sehen sind die zwei Facettenaugen, die den Krebstieren dabei helfen, einen Eindruck von der Umgebung zu bekommen. Die Beine der Tiere sind darüber hinaus nicht nur zur Fortbewegung geeignet, sondern dienen ihnen auch zum Schmecken von Nahrung.

Vergebens hält man außerdem nach Ohren Ausschau. Schallwellen empfangen die Krebstiere mit den Häuten zwischen ihren Gelenken. Auffällig sind die zwei Antennenpaare, die dem Krebs tastend ein besseres Bild von der Umgebung vermitteln. Außerdem sitzt an ihrer Basis auch ein Organ, über das die Tiere ihren Harn ins Wasser abgeben.
Weg mit der alten Haut
Wie alle Krebstiere besitzt auch der Blaue Floridakrebs ein Außenskelett. In diesem Chitinpanzer sind verschiedene Mineralien eingelagert, unter anderem Kalzium, die ihm so seine Festigkeit verleihen. Damit ist der Floridakrebs gut vor Fressfeinden geschützt. Gleichzeitig hat so ein Außenpanzer einen großen Nachteil: Um größer zu werden, muss der Krebs in regelmäßigen Abständen den alten Panzer abstreifen. Das ist für das Tier eine kritische Zeit, er kann beim Wechsel in der alten Hülle steckenbleiben und sterben.

Steht eine Häutung bevor, frisst der Krebs deutlich weniger und verkriecht sich. Schließlich springt am Rücken der alte Panzer auf, und das Krebstier pumpt sich mit Wasser voll, um die alte Haut wie einen Pullover abzustreifen. Mit kräftigen Schwanzschlägen beschleunigt er den Vorgang.

Schutzbedürftige Butterkrebse
Der neue Panzer darunter ist anfangs noch weich und bietet nicht den gleichen Schutz, den der Floridakrebs eigentlich von seiner „Ritterrüstung“ gewohnt ist. Die noch zarten Butterkrebse – wie sie auch genannt werden – sind leichte Beute. Auch Artgenossen vergreifen sich schon mal, wenn sich ihnen die Gelegenheit bietet. Darum sucht der Flusskrebs, sobald er seine Beine wieder richtig nutzen kann, Schutz in Verstecken oder krabbelt an Wasserpflanzen hoch.

Insgesamt kann der Blaue Floridakrebs mit solchen Häutungen Größen von zehn bis zwölf Zentimeter erreichen – es wurden aber auch schon Tiere mit 15 Zentimetern gesehen.
Weibchen stehen auf kleinere Männchen
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Weibchen stehen auf kleinere Männchen
Geschlechtsreif wird der Blaue Floridakrebs aber schon deutlich früher – Weibchen fangen ab einer Größe von 3,5 Zentimeter an, sich für das andere Geschlecht zu interessieren. Dabei ist ihnen allerdings eines wichtig: Der Auserwählte muss kleiner als sie selbst sein, wenn er zum Zuge kommen möchte.

Der Geschlechtsakt selbst mutet etwas ruppig an: Um beim Paarungsakt nicht verletzt zu werden, dreht das Männchen das Weibchen auf den Rücken und fixiert mit seinen Scheren die ihren. Ruhig bleiben sie so Bauch an Bauch liegen. Dabei überträgt das Männchen mithilfe eines Geschlechtsorgans, das Gonopode genannt wird, die Spermien in das Weibchen.

Die befruchteten Eier werden von der Krebsdame anschließend unter dem Hinterleib getragen. Dort entwickeln sie sich unter der schützenden Obhut der Mutter zu Krebslarven und schließlich zu selbstständigen Jungkrebsen. Ab jetzt ist es mit der Schonzeit vorbei und die 50 bis 100 Mini-Krebse müssen sich sowohl vor den eigenen Eltern als auch den Geschwistern in Acht nehmen. 
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AUTOR: Tetra GmbH
ERSTELLT AM: 27.06.2016
QUELLE: Chris Lukhaup and Reinhard Pekny: Süßwasser-Krebse; GU Verlag (2009)